February 5 2012
 

Dian 2

Die Lady bewegte graziös ihre Hand und dann begann das Buch auf wundersame Weise zu schweben. Dian ertappte sich dabei, dass sie den Atem angehalten hatte und atmete einmal tief durch. Ihren Blick unverwand auf das Buch geheftet versuchte sie den Trick zu durchschauen, denn es musste sich um einen solchen handeln,  es konnte gar keine andere Erklärung dafür geben.

Die junge Lady schien ihre Gedanken gelesen zu haben, denn sie antwortete: “Glaub nicht, das ist ein dummer Trick, das hier ist Magie!” Dian schnappte nach Luft. Die Lady musste sie zum Narren halten! Doch langsam nagten an ihr Zweifel, was wenn dies echt wäre, was wenn die Lady wirklich Magie wirken konnte? Dian hob zaghaft die Hand und betastete das Buch, keine Fäden, kein Trick!

“Könnt ihr mir das beibringen?” fragte Dian zaghaft. Die Lady dachte angestrengt nach und kniff dabei die Lippen zusammen. Nach einer Weile nickte sie nachdenklich. “Unter einer Bedingung!” Dian erklärte eifrig, sie würde alles tun, um diese Fähigkeit zu besitzen. Die Lady lächelte erfreut “Es darf niemand erfahren, was wir können, vor allem nicht meine Familie! Hast du verstanden?” Dian vestand und nickte.

Ab diesem Tag brachte Dian der Lady immer ihr Essen, die anderen Bediensteten waren froh darüber, denn die Schweigsamkeit der jungen Dame war allen unangenehm. Dian konnte dies nicht verstehen und freute sich jedes Mal darauf, sie zu sehen und sich von ihr einen neuen Zauber beibringen zu lassen. So vergingen Wochen und Monate, ja Jahre und Dian fühlte eine so tiefe Freundschaft zur Lady, dass sie diese begleitete als sie verheiratet wurde und in ein neues Haus zog.

Viele Jahre gingen ins Land als die Lady eines Abends völlig aufgelöst in Dians Gemach stolperte. Sie hatte die Nachricht erhalten, dass ihr Mann im Krieg gefallen sei. Und nun, ohne Mann dürfe sie keinen Haushalt führen, ihr Mann hatte keinen Erben und somit sei sie eine Witwe, die niemand versorgen würde, eine Ehrlose Frau, wenn sie keinen neuen Mann fände der sie unterhält. Sie würde betteln müssen.

Dian beruhigte die Lady: “Ihr seid noch jung und klug, ihr findet sicher rasch eine neuen Versorger!” Doch Dian wusste im innern, dass niemand eine Witwe würde haben wollen, nur alte, schmierige Männer, deren Frauen bereits unter der Erde lagen würden Interesse haben und das auch nur wegen dem jungen Aussehen ihrer Lady.

In dieser Nacht lag Dian wach und grübelte fieberhaft, wie sie ihrer Herrin helfen konnte. Als die ersten Sonnenstrahlen das Fenster ihrer Kammer erreichten fasste Dian einen Entschluss. Während des ganzen Tages reifte in ihr ein Plan heran, und als es Abend wurde und der Vollmond über dem großen Anwesen aufging setzte sie ihren mutigen Plan in die Tat um.

Mehrere Stunden wob Dian einen mächtigen Zauber und als sie damit fertig war, fiel sie völlig erschöpft in ihr Bett. Gegen Mittag betrat die Lady besorgt Dians Kammer, diese hatte sich den ganzen Vormittag über nicht blicken lassen und war auch am vorangegangenen Tag sehr wortkarg gewesen.

Doch was sie dort in Dians Bett erblickte ließ ihr fast das Herz stehen bleiben. Dort schnarchte ein Mann, bekleidet mit einem Frauennachthemd, völlig selig vor sich hin. Geschockt stieß sie einen kurzen Schrei aus, worauf hin der Mann erwachte und sie erstaunt anblickte. “Was ist denn los Herrin?” sprach er mit tiefer Stimme. Doch die Lady verlor nun völlig die Fassung. “Ich bin es, Dian!” sprach der Mann. “Ich habe das für euch getan.” Die Lady hörte augenblickich auf zu schreien und riss die Augen auf. “Dian? Das bist du wirkich? Aber warum hast du das getan?” Dian lächelte und antwortete dann: “Nu könnt ihr so leben wie es euch gefällt, ich werde mich als Bruder eures verstorbenen Mannes ausgeben, der das Anwesen verwaltet und euch hier leben lässt. Und ihr müsst niemanden heiraten den ihr nicht wollt!”

Und so lebten die beiden Frauen von jedem Mann unabhängig und frei, und nie würde jemand von dem Geheimnis erfahren, das sie miteinander verband.

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