Der Elfenschatz

Die Nacht brach herein und der Wind spielte unermüdlich sein Lied in den herabhängenden Zweigen der alten Trauerweide. Leise murmelte der kleine Bachlauf, der alles Leben hier mit seinem erquickenden Wasser speiste. Eine Nachtigall hatte ihr Nest in der Krone der ehrwürdigen Mutter Weide gebaut und begrüßte den aufgehenden Mond auf ihre Weise. Auf einer Lichtung in der Nähe ästen einige Rehe mit ihren Kitzen und über das Gras huschten eifrige kleine Eichhörnchen um in ihren Baumhöhlen Schutz zu suchen.

Seit Anbeginn der Zeit wachte Mutter Weide nun schon über diesen Ort. Im Winter, wenn sie ruhte, fanden ihre Schützlinge bei ihr einen warmen Ort um die Kälte zu überdauern. Im Frühling beschützte sie die Neugeborenen, ob Vogel oder Nagetier und selbst allerlei kleinste Insekten, erblickten in ihrem Schutz das Licht der Welt. Im Sommer sorgte Mutter Weide für Schutz vor der sengenden Sonne, denn unter ihren langen Zweigen herrschte immer angenehmer Schatten. Und im Herbst schenkte sie den Tieren und den Samenkörnern, in der Erde, ihr wärmendes Laub, damit sie sich darunter bis zum Frühling sicher verbergen konnten.

Das langlebige Elfenfolk Najlajael verehrte Mutter Weide schon seit Jahrhunderten, denn als der erste Elf seinen Fuß auf das Erdenrund setzte, war sie bereits Uralt gewesen. Ihre Größe ließ selbst die groß gewachsenen Elfenmänner klein wie Insekten erscheinen. Daher war es nicht weiter verwunderlich, dass die Elfen Mutter Weide so ehrten wie es ihr zustand. An jeder Sommersonnenwende veranstalteten sie ein großes Fest zu ihren Ehren.

Die schönsten Elfenmädchen führten Tänze auf, Elfendamen mit glockenhellen Stimmen sangen Loblieder auf die Natur, athletische Elfenmänner vollführten sagenhafte Akrobatik und kleine Elfenkinder flochten duftende Blumenkränze, die sie Mutter Weide in die Äste hängten.

Später am Abend dann versammelte sich das gesamte Volk der Najlajael um den Stamm des ehrwürdigen Baumes und stimmte einen Gesang an, wie er lieblicher und betörender nicht sein kann. In diesem Moment schweigt der ganze Wald, Tiere von nah und Fern halten inne in ihrem Tun und lauschen, nichts rührt sich, selbst der Bach scheint für einige Minuten sein Murmeln anzuhalten.

Der Zauber der Sommersonnenwende.

Die alte Weide träumte noch immer von dem Geschenk, das die Elfen ihr bereitet hatten. Denn der magische Gesang, den sie ihr zu Ehren anstimmten ließ den Baum nicht kalt. Er erfüllte sie mit Freude und Leben und Brachte Mutter Weide dazu, trotz ihres hohen Alters weiter zu wachsen und zu gedeihen.

Und zu je mehr Größe Mutter Weide gelangte, desto mehr Tieren konnte sie Schutz geben.

Irgendwann war sie so groß geworden, dass das gesamte Elfenfolk in ihr Platz fand, so wurde aus der alten Mutter Weide die Heimat der Najlajael, „Weidestadt“.

Und das Folk nannte sich seither der Stamm der Waldelfen.

Man sagt selbst heute lebe die alte Mutter Weide noch und biete jedem Schutz der ihn sucht. Man findet sie, wenn man dem Regenbogen folgt und wenn man dann zwischen ihren Wurzeln schaut, findet man den sagenumwobenen Schatz der Elfen.

Doch ich sage, der Schatz den man unter den Zweigen dieses Baumes findet wird nicht aus Gold sein, denn das was Mutter Weide bietet ist viel wertvoller als jedes Gold dieser Erde.

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  1. Feenhaar

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