February 5 2012
 

Ich glaube nicht daran!

Ich erinnere mich noch, als wäre es erst gestern. Eigentlich war es der letzte Urlaub, den wir als Familie gemeinsam verbrachten, bevor Lisa, meine große Schwester auf ein Internat sollte. Wir fuhren zu einer Burg in Irland, ich glaube sie hieß Shamrock. Umgeben war das Anwesen von üppigen Weidelandschaften, weit und breit sah man nur Grün und das Weiß der Schafe, die auf den Wiesen saftigen Klee und Gras fraßen.

Ich freute mich so sehr auf diesen Urlaub. Auf der Burg angekommen fühlte ich mich wie ein kleines Burgfräulein, denn der Burgvogt empfing uns im Innenhof mitsamt der ganzen Belegschaft. Lisa und ich hatten jeder ein eigenes Zimmer im Burgturm, und nachts schlief ich in einem großen Himmelbett, in das wohl meine gesamte Familie bequem passte.

Diese Zeit war einfach himmlisch!

Am Morgen nach unserer Ankunft sagte man uns, es würde kein Frühstück geben, denn man esse am Karfreitag erst mittags. Ein merkwürdiger Brauch wie wir fanden. Lisa und ich entschieden uns dafür, die Gegend zu erkunden, um uns von unserem Hunger abzulenken. Auf der Straße, die ins Dorf führte, waren bereits eine Menge Menschen unterwegs, sie schlenderten barfuss in Richtung Kirche. Wir folgten dem Strom und gerieten in eine große Menschentraube, die uns mit sich zog. Vor der Kirche angekommen entdeckten wir auf der Treppe mehrere bunt gekleidete Truppen, die sich als Chöre entpuppten, abwechselnd stimmten sie Lieder an und das Publikum applaudierte begeistert. Nach einer Stunde tauschten die Chorsänger ihren Platz mit einer Band. Als diese dann zu spielen anfing konnte niemand still stehen bleiben, jeder tanzte im Takt zu der mitreißenden Musik und selbst wir schlossen uns den Anderen an und tanzten ausgelassen über das Pflaster.

Völlig erschöpft ließen wir uns später auf einer Wiese in der Nähe nieder, Lisa strahlte über das ganze Gesicht und auch ich lachte übermütig. Nach und nach gesellten sich noch andere Tänzer zu uns, jeder mit einem seligen Blick in den Augen. Ein paar von den jüngeren pflückten Blumen und flochten sie zu kränzen. Lisa ließ sich von einem rothaarigen Mädchen mit Sommersprossen zeigen, wie man einen schönen Osterkranz herstellte, ich schaute gebannt zu. Nachdem wir alles verstanden hatten machten auch wir uns auf, Blumen zu pflücken und nach einer Weile zierten mehrere Armbänder, Ketten und eine Blumenkrone meinen Körper. Anni, die Rothaarige erklärte mit, dass der Klee, den ich verwendet hatte ein Wahrzeichen für Irland darstellte, seine drei Blätter stehen für die Dreifaltigkeit Gottes. Aber, flüsterte sie uns ins Ohr, es heiße wenn man sich zerstoßenen Klee über die Augen reibt könne man eine Feeninsel sehen. Lisa lachte, sie glaube nicht an solchen Quatsch, und auch ich kicherte.

Doch abends als ich meinen Blumenschmuck ablegte, kann mir Annis Geschichte wieder in den Sinn. Was wäre wenn die Geschichte stimmte? Was könnte denn schon passieren? Also zupfte ich ein paar Stängel aus dem Armband und versuchte die Blätter zu zerstoßen. Dann rieb ich mir den grünen Brei auf die Augenlider, doch nichts passierte. Enttäuscht machte ich mich Nachtfertig und kroch in mein Himmelbett.

In dieser Nacht träumte ich einen sonderbaren Traum, von kleinen Wesen, die Musik und Gesang genauso liebten wie wir, die übermütig Tanzten und entzückend kleine Blumenkränze flochten. Und da wurde mit klar, wenn es Feen gibt, sind sie uns ähnlicher als wir glauben.

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