September 6 2010
 

Die Tür

Die imposante Holztür überragte mich um einige Körperlängen. Auf dem gewaltigen Rahmen konnte ich unzählige Holzschnitzereien erkennen, sie zeigten fürchterliche Schlachten, blutrünstiges Gemetzel, das mich zutiefst schockierte.

Meine Hand zitterte, als ich sie zum Türklopfer führte, sie wirkte entsetzlich klein auf der kalten, schwarzen Kugel. Zweimal ließ ich das schwere Eisen auf das marode Holz fallen, das fürchterliche Geräusch ging mir durch Mark und Bein und hallte noch in meinem Schädel nach. Ich musste allen Mut zusammen nehmen, um den dunklen Saal zu betreten.

Trotz seiner Größe schwang der Türflügel mühelos auf. Der riesenhafte Raum war in tiefe Dunkelheit getaucht, nur die geöffnete Tür ließ einen schmalen Streifen rot flammendes Licht herein, der den glänzenden Holzboden beleuchtete. Wie durch Zauberhand entzündeten sich alle Fackeln gleichzeitig und tauchten den gewaltigen Saal in ihr Licht. Geblendet hielt ich mir die Hand vor die Augen, einige Herzschläge später konnte ich am Saalende eine gewaltige Kreatur ausmachen. Auf den ersten Blick schien sie menschlich zu sein, doch aus ihrem Schädel ragte ein pechschwarzes Hörnerpaar hervor. Zitternd schritt ich näher und bemerkte mit Entsetzen, dass die Kreatur nur aus der Ferne meine Größe hatte, in Wirklichkeit maß das Wesen mindestens 10 Fuß. Die glühenden Augen waren unentwegt auf mich gerichtet und ich hatte das Gefühl der gehörnte Dämon konnte mir bis auf die Seele schauen. Als das Wesen sprach war mir, als würde ich jede Silbe nicht nur mit den Ohren wahrnehmen, denn das tiefe Timbre floss ungehindert direkt in meinen Geist. „Sag, was suchst du zu finden Menschenkind?“, schnurrte der Dämon. Ehrerbietig kniete ich nieder und senkte mein Haupt, während ich leise flüsterte „Zeit mein Fürst, gewährt mir noch etwas Zeit.“ Der Dämon lachte grollend, „Wie viel Zeit ist es dir denn wert auf ewig mein zu sein?“ Ich atmete zwei Mal tief ein, bevor ich leise flüsterte „Fünf Minuten nur mein Fürst.“ Der Dämon lachte nur noch lauter und rief mit donnernder Stimme, „So und nicht anders soll es sein!“

Keuchend erwachte ich mit dem Gesicht im Schlamm, ich lag verrenkt auf einem großen Stück Treibholz. Neben mir lag er, so wie ich ihn in meinen letzten Augenblicken vor mir gesehen hatte, als ob er nur schliefe. Doch die blaue Farbe seiner Lippen verriet die Wahrheit.

Mit letzter Kraft zog ich mich zu ihm heran und teilte meinen Atem mit ihm. Als ich beinahe aufgeben wollte zuckte er ruckartig und öffnete die Augen. Ich jedoch schloss meine für immer… Und das letzte was ich in dieser Welt vernahm war das wütende Geschrei eines gehörnten Dämons und in diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich durch mein Opfer, durch meine Bereitschaft ewig in der Hölle zu schmoren um ein anderes Leben zu retten, begnadigt wurde und ihm gleich zwei Seelen entrissen hatte.

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